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Arbeitsbereich Agrargeschichte

Die Agrargeschichte bildet ein Teilgebiet der Geschichtswissenschaften, das wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Entwicklungen auf dem Lande untersucht. Sie steht in einem engen Verhältnis zur Wirtschaft- und Sozialgeschichte, zur Rechtsgeschichte, zu den Agrarwissenschaften und neuerdings auch zur Kulturgeschichte.
In ökonomischer Hinsicht fragt die Agrargeschichte etwa nach der Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktion, nach Anbauverhältnissen und Viehhaltung, nach Rentabilität und Technisierung und nach dem Einfluß von wirtschaftlichen Gesamtentwicklungen auf die Landwirtschaft. Strukturveränderungen, wie sie im nachstehenden Bild des bekannten mecklenburgischen Malers Carl Malchin anhand der Einführung der Dreschmaschinen in der Landwirtschaft und damit der Einführung moderner Maschinen sichtbar werden, sind dabei von besonderem Interesse.

Carl Malchin (1838-1923): Dreschmaschine auf dem Lankower Felde, 1880 (Staatliches Museum Schwerin)

In rechtlicher und politischer Hinsicht untersucht die Agrargeschichte das Bodeneigentum, die Flurverfassung und die rechtliche Stellung der Produzenten ebenso wie die staatliche Agrarpolitik, Programm und Wirken von ländlichen Parteien und Organisationen und den Agrarlobbyismus.
Mit Blick auf gesellschaftliche Prozesse und deren Wandel werden soziale Strukturen im ländlichen Raum analysiert. Verhaltensweisen, Mentalitäten und die Austragung sozialer Konflikte gelangen ebenso wie die soziale Lage ländlicher Gruppen, wie etwa der Landarbeiter und der als „Schnitter“ bezeichneten Saisonarbeiter, in den Blick.
Kulturgeschichtlich sind vor allem die Auswirkungen der Agrarmodernisierung auf die ländliche Bevölkerung, deren Wahrnehmungs- und Deutungsmuster sowie der Wandel des Verhältnisses Stadt – Land von Interesse.
Der Arbeitsbereich Agrargeschichte widmet sich vornehmlich der modernen deutschen Agrargeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, wobei die mecklenburgische Agrargeschichte einen der Schwerpunkte darstellt. Die Forschungen umfassen unter anderem den ostelbischen Großgrundbesitz im 19. und 20. Jahrhundert, die wirtschaftliche Stellung und das politische Verhalten des Landadels in der Weimarer Republik, die soziale Lage der Landarbeiter, agrarwirtschaftliche Entwicklungen im Rahmen der Kriegsvorbereitungen im Nationalsozialismus und die Agrarpolitik der SED.
Möglichkeiten der interdisziplinären Kooperation eröffnen sich mit volkskundlich, agrarwissenschaftlich, demographisch und wirtschaftswissenschaftlich orientierten Arbeitsbereichen und Einrichtungen.

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