Objekt des Monats August 2018

Goldener Schild (Ecu d’or)

Goldener Schild (Ecu d’or), Münzherr: Kaiser Karl IV., Münzstätte: Antwerpen?, Datierung: nach 1355, Material: Gold, Durchmesser: 29,1 mm, Gewicht: 4,45 g, Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern, Münzkabinett, Inv.-Nr. Mü 18032

In der Regel orientieren sich Münzen an Vorbildern, so auch im Falle des von Kaiser Karl IV. geschlagenen Schildguldens, der auf den Ecu d’or zurückgeht. Beim Ecu d’or oder Goldenen Schild handelt es sich um die älteste französische Goldmünze mit einem sehr charakteristischen Münzbild. Auf der Vorderseite prangt der Schild mit den drei Lilien – Wappenbild der französischen Könige seit dem 12. Jahrhundert. Später wurde der thronende König abgebildet, so dass die Bezeichnung Ecu à la chaise oder einfach Chaise Verwendung fand.

Dieser Münztyp wurde vielfach nachgeahmt, so in Südwesteuropa (Navarra, Portugal), aber auch in den Niederlanden. Kaiser Ludwig der Bayer (1314–1347) initiierte eine umfangreiche Emission solcher Stücke in Antwerpen. Die umfangreiche Prägung von Schildgulden durch Kaiser Ludwig erklärt sich aus seinem Bestreben, am Beginn des Hundertjährigen Krieges über ausreichende Finanzmittel zu verfügen, um direkten Einfluss ausüben zu können. Sein Nachfolger, Karl IV. (1346–1378), setzte die Emission von Schildgulden in weitaus geringerem Maße fort. Dies geschah vermutlich ebenfalls über Antwerpen, wo weiterhin der von seinem Vorgänger eingesetzte Herzog Johann III. von Brabant als Statthalter (1312–1355) residierte. Durch die geringe Emission sind derartige Gepräge heute sehr selten, im Unterschied zu denen, die Ludwig der Bayer herstellen ließ. Karl IV. hat aber dafür in Böhmen viel stärker „normale“ Gulden emittiert.

Der Schildgulden Karls IV. zeigt im gotischen Gestühl den thronenden Kaiser mit erhobenem Schwert, rechts ist der Adlerschild angeordnet. Der Adler diente seit der Staufer-Zeit als kaiserliches Symbol. Die Umschrift lautet: KAROLVS DEI – GRA – ROMANORVM IMP (Karolus Dei Gratia Romanorum Imperator). Die Rückseite wird von einem verzierten Kreuz im Vierpass beherrscht. Dazu kommt die Umschrift: XPC VINCIT XPC REGNAT XPC IMPERAT (Christus vincit Christus regnat Christus imperat, paraphrasiert in etwa „Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit“). Die Umschrift steht dabei für die so genannten „laudes imperiales“, die Lobpreisungen auf den Kaiser.

Die Goldenen Schilde dienten zuerst einmal als Zahlungsmittel. Allerdings dürfte ein Großteil der Zeitgenossen nie solche Münzen in der Hand gehalten haben, denn aufgrund ihres hohen Wertes konnten diese im alltäglichen Zahlungsverkehr kaum benutzt werden. Bei großen Geldtransaktionen in Politik und Wirtschaft waren die Goldenen Schilde aber hochwillkommen. Neben der Geldfunktion dienten die Stücke noch einem anderen Zweck, und zwar als Medium der Herrschaftsrepräsentation, insbesondere gegenüber der hochadeligen Herrschaftselite. Schließlich bedurfte im Mittelalter Herrschaft ihrer ständigen Legitimation. Die von Karl IV. emittierten Goldmünzen verdeutlichen auf unnachahmliche Weise, wie der Luxemburger mit Bild und Schrift seine Macht demonstrierte.

Anzumerken bleibt, dass Kaiser Karl IV. für die mecklenburgische Geschichte eine überaus wichtige Rolle spielte. Im Jahr 1348 erhob er Mecklenburg zum unmittelbaren Reichslehen, so dass die dort regierenden Herren/Fürsten zu Herzögen avancierten.

(Text: PD Dr. Torsten Fried)