Objekt des Monats Januar 2018

Das Maxim-Maschinengewehr

© IWM (FIR 9397)

„Whatever happens, we have got/the Maxim gun, and they have not.“ Mit diesen Worten fasste der britische Schriftsteller Hillaire Belloc im Jahr 1898 die koloniale Situation pointiert zusammen. Dank der waffentechnischen Überlegenheit würden die Kolonialherren aus allen Konflikten mit den Kolonisierten als Sieger hervorgehen, selbst wenn auf 450 Europäer wie beispielsweise in Deutsch-Ostafrika im Jahr 1900 etwa 8-10 Millionen Einheimische kämen.
Diese militärische Überlegenheit war tatsächlich ein relativ junges Phänomen, das erst im 19. Jahrhundert wirklich spürbar wurde. Erst in den 1880ern hatte der amerikanisch-britische Erfinder Hiram Stevens Maxim das erste tragbare und nach ihm benannte Maschinengewehr konstruiert, das die Kräfteverhältnisse auf den kolonialen Schlachtfeldern noch einmal entscheidend zu Gunsten der Europäer verschob. Besonders deutlich wurde dies 1898 in der Schlacht von Omdurman im Sudan. Dort fügte ein mit Maxims ausgerüstetes anglo-ägyptisches Heer einem zahlenmäßig weit überlegenen Gegner, den islamischen Truppen des Mahdis, Verluste in Höhe von 11.000 Menschenleben zu, während die Briten lediglich 48 eigene Tote hatten.

Afrikaner und Asiaten realisierten meist schnell, dass sie in der offenen Feldschlacht chancenlos waren und stellten ihre Taktik um. Sie agierten zunehmend als Guerillas, die sich als friedliche Bauern tarnten, wenn starke koloniale Truppen in der Nähe waren, um später kleine Kolonnen aus dem Hinterhalt zu attackieren. Diese – aus europäischer Sicht – „feige“ und „hinterlistige“ Kampfweise schien einmal mehr zu bestätigen, dass man es in den Kolonien mit „wilden Eingeborenen“ zu tun habe, die sich nicht an die Regeln der „zivilisierten Kriegsführung“ hielten und dementsprechend auch nicht unter den Schutz der Genfer Konventionen zu stellen seien. Vor diesem Hintergrund schienen auch „Strategien der verbrannten Erde“, die auf die systematische Zerstörung der Lebensgrundlage ganzer Bevölkerungsgruppen zielten, vertretbar. Somit trug die Erfindung des Maxim-Maschinengewehrs in zweifacher Hinsicht zur Radikalisierung des Kolonialkrieges bei: Unmittelbar durch die vervielfachten Todeszahlen in offenen Feldschlachten und mittelbar durch die resultierende Eskalationsspirale von Guerillakrieg und Konterguerillamaßnahmen. Mehr Informationen und Bilder finden Sie hier: http://www.iwm.org.uk/collections/item/object/30034916

(Text: Dr. Jonas Kreienbaum)