Objekt des Monats November 2017

Das Frauendenkmal in Bloemfontein

Das 1913 eingeweihte „Nasionale Vrouemonument“ erinnert an das Leiden und Sterben der burischen Zivilbevölkerung in den Konzentrationslagern während des Südafrikanischen Krieges (1899-1902). Das britische Militär hatte auf die Guerillataktik der burischen Kommandos mit der Errichtung von Lagern reagiert, in denen sie mehr als eine Viertelmillion Menschen – weiße Buren, ebenso wie Afrikaner – internierte. Auch wenn es sich bei diesen Lagern nicht um Orte der gezielten Vernichtung handelte, kamen in ihnen aufgrund der schlechten Versorgungslage und ausbrechender Epidemien vermutlich über 50.000 Insassen ums Leben.

Das Monument besteht aus einem 36,5 Meter hohen Obelisken, einer zentralen Bronzeplastik, die zwei trauernde Frauen mit einem sterbenden Kind im Lager von Springfontein zeigt, und zwei flankierenden Reliefs. Eine Inschrift erklärt, dass dieses „nationale Denkmal“ den 26.370 Frauen und Kindern gewidmet ist, die in den Konzentrationslagern umgekommen sind. Mindestens so interessant wie das, was es zeigt, ist allerdings, was das Monument auslässt. Es verweist weder auf die etwa ähnlich große Zahl der afrikanischen Opfer in den sogenannten „black camps“ – ebenfalls meist Frauen und Kinder –, die auch in der Geschichtswissenschaft bis in die 1980er Jahre gänzlich ignoriert worden sind. Noch erwähnt es, dass ebenfalls mehr als 1500 burische Männer in den Lagern starben. Gerade angesichts dieser Leerstellen ließ sich das Denkmal im Laufe der folgenden Jahrzehnte problemlos in das Projekt des Afrikaander-Nationalismus einbinden, der Südafrika ab 1948 dominieren sollte. Den nationalistischen Narrativen folgend, hatten die burischen Männer durchweg bis zum „bitteren Ende“ gegen die Briten und für die Unabhängigkeit der Burenrepubliken des Transvaal und Oranje Freistaates gekämpft. Dass es eine nennenswerte Anzahl von Männern gab, sogenannte „Handsupper“, die freiwillig Unterschlupf in den britischen Lagern suchten, um nicht weiter für die burische Sache kämpfen zu müssen, passte nicht ins nationale Narrativ. Dementsprechend hatte auch ihr Tod auf dem „nationalen Denkmal“ nichts verloren.

(Text: Dr. Jonas Kreienbaum)