Objekt des Monats September 2017

Das Grab von Jaskaran Singh

Foto: Dr. Maria Framke

Das Grab des indischen Soldaten Jaskaran Singh ist auf dem Indischen Friedhof Zehrensdorf im Brandenburgischen zu finden. Der Grabstein gibt Auskunft, dass der Hindu-Soldat, Angehöriger des Infanterieregiments der 89th Punjabis am 5. Februar 1915 verstarb. Prominent ist auf dem Stein das Mantra „Om Bhagvate namaha“ (Mit der Gnade Lord Vishnus) eingraviert.

Indische Soldaten – Hindus, Muslime und Sikhs – kämpften im Ersten Weltkrieg neben anderen kolonialen Truppen aus Afrika und Asien auf der Seite der Entente auch auf den europäischen Schlachtfeldern.

In der Nähe von Zossen entstanden im Kriegsverlauf mehrere Kriegsgefangenenlager für Soldaten aus aller Welt. Die dort inhaftierten Männer, insbesondere diejenigen aus Südasien, wurden von deutschen Wissenschaftlern, z. B. von Linguisten, Ethnologen und Musikwissenschaftlern, intensiv untersucht. Einen Teil ihrer Ergebnisse beherbergt das Lautarchiv der Humboldt-Universität zu Berlin: www.lautarchiv.hu-berlin.de. Nach Kriegsende kehrten die meisten von ihnen in ihre Heimatländer zurück.

Die während der Internierung gestorbenen Kriegsgefangenen, aus Britisch Indien, Nord- und Westafrika, Georgien oder Armenien, wurden ab 1914 in einem Extrabereich des Zehrendorfes Dorffriedhofes bestattet. Der Friedhof hatte in den folgenden Jahrzehnten eine bewegte Geschichte. Nach Kriegsende übernahm die britische Kriegsgräberkommission die Verantwortung für die Gräber der Angehörigen der britischen Armee. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet des Friedhofs ab 1952 als sowjetischer Truppenübungsplatz zum militärischen Sperrgebiet. Das führte zur Zerstörung eines Großteils der ursprünglich aufgestellten Gräber und Ehrenmale. In den frühen 2000er Jahren begann dann die Wiederinstandsetzung des Friedhofes durch die Stadt Zossen in Zusammenarbeit mit der Commonwealth-War-Graves-Commission; so wurden z. B. die Commonwealth-Gräber und somit auch das Grab von Jaskaran Singh neugestaltet. Die Geschichte des Ersten Weltkriegs ist lange als eine primär europäische Geschichte geschrieben und verstanden worden. Dass es jedoch ebenso wichtig ist, seine Auswirkungen auf die Kolonien und die – oftmals nicht freiwilligen – Beiträge der kolonialisierten Menschen in den Blick zu nehmen, zeigt das zu kurze Leben von Jaskaran Singh. 

(Text: Dr. Maria Framke)