Objekt des Monats

Halseisen

Das abgebildete Objekt stammt aus dem 19. Jahrhundert aus Brasilien. Es besteht aus zwei halbrunden Eisenbügeln, die auf der einen Seite durch ein Scharnier verbunden sind und auf der anderen Seite mit einem Schloss verriegelt werden können. An einem der Bügel ist ein Eisenkreuz mit abgerundeten, scharfen Spitzen angebracht. Solche Halseisen (gargalheiras, libambos) wurden zur Bestrafung von Sklaven verwendet. Um den Hals gelegt, schränkten sie die Bewegungsfreiheit der Sklaven ein, ermöglichten ihnen aber dennoch die Ausübung der meisten Arbeiten. Teilweise wurden die Halseisen mittels einer Eisenkette mit einem zweiten Eisenring an einem Hand- oder Fußgelenk oder mit entsprechenden Eisen an einem oder mehreren weiteren Sklaven verbunden. 

Die portugiesischen Eroberer griffen seit dem Beginn ihrer Kolonisierung Brasiliens im frühen 16. Jahrhundert für alle körperlichen und handwerklichen Tätigkeiten auf Sklaven zurück, so bei der Errichtung öffentlicher und privater Bauten, auf den Zuckerrohrplantagen, im Transportwesen und in den Haushalten. Zunächst verwendeten sie fast ausschließlich Zwangsarbeiter einheimischer Herkunft. Aufgrund der hohen Todesraten bei den Kriegen und Raubzügen und durch die von den Europäern eingeführten Krankheiten ging die indigene Bevölkerung bald rapide zurück. Daher führten die Portugiesen bereits seit dem 16. Jahrhundert zusätzlich Sklaven aus Afrika ein. Als um 1700 im Landesinnern Gold und Edelsteine gefunden worden waren, stieg die Nachfrage nach afrikanischen Arbeitskräften nochmals erheblich an. Insgesamt wurden zwischen 1550 und 1850 rund vier Millionen Sklaven aus Afrika nach Brasilien verschleppt – weit mehr als in jedes andere Land in den Amerikas. Erst 1888 wurde die Sklaverei in Brasilien offiziell abgeschafft.

Die Bestrafung der Sklaven war üblich, gesetzlich erlaubt und von der katholischen Kirche gutgeheißen. Sie bestand in einer Kombination körperlicher und psychischer Gewaltanwendung, vermied aber in der Regel die Vernichtung der Arbeitskraft. Ziel war es vielmehr, die wirtschaftliche Rentabilität der Sklaven durch Disziplinierung und Verminderung ihres Widerstandswillens zu optimieren.

Halseisen © Museu Histórico Memorial da Liberdade, Redenção (CE)
Jean-Baptiste Debret, Voyage Pittoresque et Historique au Brésil, Bd. 2,
Paris 1835, S. 131, Abb. 42

Ein zentrales Element der Strafpraktiken war ihre größtmögliche Sichtbarkeit. Diese führte zu einer kontinuierlichen Bestätigung und Verfestigung des Status der Unterworfenheit und Ausgeliefertheit der Sklaven in der öffentlichen Wahrnehmung. 

Halseisen mussten vor allem jene Sklaven tragen, die zu fliehen versucht hatten. Die Eisen sollten sie an einem erneuten Fluchtversuch hindern, denn die gebogenen Metallkreuze erschwerten das Leben im dichten Unterholz der Wälder, wohin sich viele entlaufene Sklaven zurückzogen; wenn die Eisen mittels einer Kette mit einem Gliedmaß oder mit weiteren Sklaven verbunden waren, war die Flucht noch schwerer. Die Eisen dienten ferner der Verwarnung und öffentlichen Erniedrigung; sie wurden daher auch für Sklaven verwendet, die zuvor mit Peitschenhieben für andere Vergehen bestraft worden waren. Die Gestraften mussten die Eisen oft mehrere Monate tragen und durften sie selbst nachts nicht ablegen, wodurch das Schlafen erheblich erschwert wurde. 

Auf dem Stich von Jean-Baptiste Debret sind drei Sklaven mit Halseisen in einer Geschäftsstraße von Rio de Janeiro in der zweiten oder dritten Dekade des 19. Jahrhunderts zu sehen. Wie man sieht, hinderten die Halseisen sie nicht daran, miteinander ins Gespräch zu kommen und gegebenenfalls ihre Waren zu verkaufen, deren Erlöse sie in regelmäßigen Abständen an ihre Besitzer abliefern mussten. Anders als die meisten anderen europäischen Künstler seiner Zeit stellte Debret in vielen seiner Werke die Handlungsmacht und die Würde dar, über die die brasilianischen Sklaven trotz aller Erniedrigungen verfügten. Dennoch weisen sowohl die Instrumente der Bestrafung als auch entsprechende Abbildungen, die durch ihr häufiges Auftauchen auf Buchumschlägen und Postern, in Museen und Dokumentarfilmen einen ikonischen Status in Brasilien erlangt haben, nicht nur den Sklaven, sondern auch der schwarzen Bevölkerung im Allgemeinen einen Opferstatus im kollektiven öffentlichen Gedächtnis zu. Um dem entgegenzuwirken, legen viele Historiker den Schwerpunkt ihrer Forschung auf den von Sklaven geleisteten Widerstand, auf ihr Sozialleben, ihre Beiträge zur Wissensproduktion und ihre kulturellen Äußerungen. Dem trägt auch ein künftiges „Objekt des Monats“ Rechnung, das diesmal einen positiv konnotierten Gegenstand aus der brasilianischen Sklavereigeschichte vorstellen wird. 

(Text: Dr. Jorun Poettering, Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Frühe Neuzeit des Historischen Instituts)