Halsketten

Halsketten, 19. Jahrhundert, Bahia, Gold, Privatsammlung © Emanoel Araujo (Hg.): Arte, adorno, design e tecnologia no tempo da escravidão, São Paulo: Museu Afro Brasil, 2013, S. 142-143.
Halsketten, 19. Jahrhundert, Bahia, Gold, Privatsammlung © Emanoel Araujo (Hg.): Arte, adorno, design e tecnologia no tempo da escravidão, São Paulo: Museu Afro Brasil, 2013, S. 142-143.

Das Objekt des Monats Januar 2019 war ein Halseisen, mit dem in Brasilien Sklaven bestraft und gedemütigt wurden. Das Objekt dieses Monats soll ein Gegenstück dazu sein: Die goldenen Halsketten bezeugen das kulturell aktive Leben versklavter und freier Afrobrasilianer. 

Viele der im 18. Jahrhundert in das brasilianische Goldfördergebiet Minas Gerais verschleppten Sklaven kamen von der Mina-Küste, einer Region am Golf von Guinea, in der ebenfalls Gold abgebaut wurde und wo auch die Goldbearbeitung weit entwickelt war. Die Sklaven brachten daher Fachwissen und technische Fähigkeiten mit nach Brasilien; beides machten ihre neuen Herren zumindest teilweise für sich nutzbar. Die Portugiesen nahmen die Goldschmiede jedoch auch als Konkurrenten für entsprechende Handwerker europäischer Herkunft wahr. Bereits 1621 hatte der König verboten, dass sich die indigene und schwarze Bevölkerung – unabhängig davon, ob sie versklavt oder frei war – in Gewerben betätigte, in denen Gold oder Silber verarbeitet wurde. Im 18. Jahrhundert ließ die portugiesische Krone sogar die Werkbänke afrobrasilianischer Goldschmiede in Bahia und Rio de Janeiro zerstören. Allerdings stellten die weißen Handwerker oft selbst schwarze Sklaven und Freie ein, um sie für sich arbeiten zu lassen. Zudem gab es auch weiterhin afrobrasilianische Goldschmiede mit eigenen Werkstätten, die nicht nur Schmuck für Kunden europäischer Herkunft anfertigten, sondern auch die spezifische Nachfrage afrobrasilianischer Frauen bedienten. 

Denn auch Afrobrasilianerinnen schmückten sich mit goldenen Halsketten, Armbändern, Ringen und anderen Accessoires. 1636 hatte der König ihnen zwar das Tragen von Gold- und Silberverzierungen an ihrer Kleidung verboten, doch die weißen Frauen umgaben sich bei den seltenen Gelegenheiten, in denen sie ihr Haus verließen, gern mit einer Schar prächtig geschmückter Sklavinnen. Für die Herrinnen war dies ein Mittel, ihren sozialen und ökonomischen Status zur Schau zu stellen. Doch auch die Sklavinnen erhielten auf diese Weise eine Gelegenheit, ihre Anmut, ihren Geschmack und das Ansehen, das sie bei ihren Herrinnen genossen, zu demonstrieren. Teilweise überließen ihnen die Besitzer den Schmuck sogar ganz, etwa als Belohnung für „gutes Benehmen“ oder für sexuelle Dienste. Da die Sklavinnen sonst kaum Möglichkeiten des Sparens hatten, gewannen die Ketten in solchen Fällen auch einen konkreten ökonomischen Nutzen: Sie hatten einen erheblichen Wert, konnten leicht transportiert und ohne große Schwierigkeiten veräußert werden, etwa wenn sich eine Sklavin die Freiheit kaufen wollte. Doch auch Afrobrasilianerinnen, die bereits ihre Freiheit erworben hatten oder frei geboren waren, schmückten sich mit entsprechendem Schmuck. Für sie stellte er ein Symbol kultureller Identität dar und unterstrich den Stolz, den sie sich trotz aller erlittenen Herabsetzung durch die Sklaverei bewahrt hatten. In gewisser Weise bedeutete der Goldschmuck damit sowohl für die afrobrasilianischen Goldschmiede als auch für die afrobrasilianischen Trägerinnen einen Akt des Widerstands gegen die Sklaverei.

(Text: Dr. Jorun Poettering, Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Frühe Neuzeit des Historischen Instituts)