Epochenübergreifende Studien:

Thema des Moduls im Sommersemester 2021: „Jüdisches Leben“

Jedes Semester bieten die Lehrenden des Historischen Instituts ein übergeordnetes Thema für das Modul Epochenübergreifende Studien an, das Studierende der Studiengänge Geschichte für Lehramt Gymnasien und Beifach Geschichte absolvieren.

Anlässlich des deutschlandweiten Festjahres 2021 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland behandelt das Modul das Thema „Jüdisches Leben“. In folgenden Lehrveranstaltungen haben die Studierenden die Möglichkeit, sich mit Kontinuitäten und Diskontinuitäten jüdischen Lebens in Deutschland und Europa über die Epochengrenzen hinweg auseinander zu setzen.

Hauptseminare:

Jüdisches Leben in den Städten des Mittelalters, Prof. Dr. Marc von der Höh

In diesem Jahr wird unter Bezug auf ein Dekret Kaiser Konstantins aus dem Jahr 321 ein denkwürdiges Jubiläum begangen: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Dabei ist es kein Zufall, dass sich der erste schriftliche Beleg für die Existenz von Menschen jüdischen Glaubens in der Mitte Europas ausgerechnet auf einen Aspekt der Stadtgeschichte bezieht: es geht um die Aufnahme von Juden in die sogenannte Curia, eine Art antiken Stadtrat. An zahlreichen Fällen lässt sich zeigen, dass jüdisches Leben und Stadtgeschichte für das Mittelalter kaum voneinander zu trennen sind. Anlaß genug, sich diesem Schnittfeld zweier spannender Themen einmal ausführlich zu widmen. Beginnend mit den Grundlagen in der Spätantike wird das komplexe und spannungsgeladene Neben- und Miteinander von Juden und Christen in den Städten des deutschen Sprachraums beleuchtet.

Jüdische Migration und Judenstaatsprojekte im 18. und 19. Jahrhundert, Dr. Malgorzata Anna Maksymiak

Die Jüdische Geschichte ist eine Migrationsgeschichte. Gleichzeitig ist sie geprägt von ständiger Sehnsucht nach einem jüdischen Heim. Das Ziel des Seminars ist es, die Höhepunkte dieser zwei Phänomene in einem Zusammenhang zu betrachten. Angefangen mit dem „Ahasverus-Mythos“ erörtert das Seminar die jüdischen Wanderungen in Europa seit dem 17. Jahrhundert, die Bestrebungen der Gleichstellung der Juden im 18. Jahrhundert begleitet vom Aufkommen der rassischen Kategorie „Jude“ und die Entwürfe eines jüdischen Staates seit dem 17. Jahrhundert bis zu den ersten zionistischen Ideen im 19. Jahrhundert.

Die Herausbildung und Entwicklung des Antisemitismus in Europa im 19. und 20. Jahrhundert, Prof. Dr. Mario Niemann

Das Hauptseminar untersucht die Herausbildung des modernen Antisemitismus in Europa ab Mitte des 19. Jahrhunderts und dessen Entwicklung bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Ausgehend von den tradierten antijüdischen Stereotypen und Formen der Judenfeindschaft sollen die Merkmale und die Protagonisten des neuen, sich „wissenschaftlich“ gebenden Antisemitismus analysiert werden. Die Erscheinungsformen und Träger des Antisemitismus und dessen konkreten Auswirkungen auf das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben der Juden zwischen Anfeindungen und Alltag sind dann für mehrere Länder Europas zu untersuchen, wobei Deutschland einen Schwerpunkt bildet. Die verschiedenen Ausprägungen von Unterdrückung und Verfolgung, die im nationalsozialistischen Deutschland in der Shoa kulminierten, sind dabei ebenso in den Blick zu nehmen wie die Entwicklung des jüdischen Lebens in Europa nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

Übungen:

Van den bosen joden – die Hostienfrevellegende als antijüdisches Stereotyp des Mittelalters, Marie Lehmann

Das Mittelalter war durchaus (wenn auch nicht ausschließlich) geprägt von einem stetig anschwellenden, gesellschaftlich breit aufgestellten Antijudaismus. Dabei spielten vor allem Stereotype in verschiedenen Formen eine wichtige Rolle. Wuchervorwürfe, Ritualmordlegenden, Brunnenvergiftungsmythen, Hostienfrevelbeschuldigungen: allen ist eine stereotype Erzählung gemein. Diese Übung nimmt sich zum Ziel, am Beispiel der angeblichen Hostienfrevel einen Überblick über den mittelalterlichen Antijudaismus, dessen Facetten und Folgen zu geben. Dies wird unter anderem auch an Quellen verschiedener Quellengattungen erarbeitet.