Äthiopische Amulet-Handschrift

Objektbeschreibung

copyright: Prof. Dr. Marc von der Höh; Fol. 3r

Originaltitel:  mäṣḥafä sälatat / ṭäbib  (Miniaturgebetbuch/Amulet-Handschrift)

Original:           Handschrift (Beschreibstoff: Pergament, Holzdeckel) 

Sprache:           Geʽez

Entstehung:     ca. 18.–19. Jahrhundert, Äthiopien

Ausgestellt:      Original

Das vorliegende Miniaturmanuskript gehört zur reichen Tradition der äthiopischen Buchkunst und ist höchstwahrscheinlich im Kontext der äthiopischen Kirche entstanden. Es handelt sich um ein handgeschriebenes Gebetsbuch in der alten Kirchensprache Geʽez, die bis heute im religiösen Gebrauch erhalten ist. Solche kleinformatigen Codices dienten nicht nur der Andacht, sondern auch als persönliche Schutzobjekte, die ihre Träger im Alltag begleiteten.

copyright: Prof. Dr. Marc von der Höh; TRANSKRIPTION UND ÜBERSETZUNG DURCH CLAUDE

Die Handschrift besteht aus Pergament, das zwischen schlichte Holzdeckel gebunden ist. Der Codex ist durch eine altertümliche aber funktionale Heftung zusammengehalten. Die Seiten zeigen eine für kirchliche Texte charakteristische Zweifarbigkeit: schwarze Tinte für den Haupttext und rote Hervorhebungen für wichtige Stellen, etwa Überschriften oder heilige Worte. Ornamentale Rahmungen verstärken die visuelle Struktur und verleihen dem Text eine klare sakrale Ordnung.

Das Werk steht exemplarisch für die äthiopische Buchtradition, in der sich religiöse Praxis, handwerkliche Präzision und symbolische Bedeutung auf engstem Raum verdichten. Auch der Einband spiegelt diese Tradition wider: Die schlichten Holzdeckel und die einfache ursprüngliche Bindung sind typisch für Handschriften aus Äthiopien. 

copyright: Prof. Dr. Marc von der Höh; Fol. 18v-19r

Trotz seiner unscheinbaren Größe verkörpert es eine jahrhundertealte Kultur des Schreibens und Glaubens, in der sich die äußere Form über lange Zeit kaum verändert hat.