"Kreuzfahrerbibel" (Crusader Bible)

Objektbeschreibung

copyright: Hanna Wichmann; Abbildung aus dem Faksimile der Maciejowski-Bibel: Belagerung mit Blide (Katapult) und Schlachtszene; unten: Samuel krönt Saul, die beiden bringen ein Opfer dar (fol. 23v)

Alternative Namen:  Morgan-Bible
                                        Maciejowski-Bibel
                                        Bibel Ludwigs des Heiligen/ Ludwigs IX.

Original:                        Handschrift (Beschreibstoff: Pergament)

Auftraggeber:              Ludwig IX. „der Heilige “von Frankreich,
                                         König von Frankreich

Sprachen:                      Latein
                                         Persisch
                                         Hebräisch (Judaeo-Persisch)
                                         Arabisch

Entstehung:                  um 1250, Paris (Frankreich)

Ausgestellt:                  Faksimile

Die Kreuzfahrerbibel gilt als eines der bedeutendsten Meisterwerke der hochgotischen Buchmalerei und wurde vermutlich von König Ludwig IX. „dem Heiligen“ in Auftrag gegeben. Ursprünglich als reiner Bildband ohne Text konzipiert, illustriert der Kodex in 283 prachtvollen, goldverzierten Miniaturen die Ereignisse des Alten Testaments von der Schöpfung bis zur Herrschaft König Davids.

Besonders bemerkenswert ist die anachronistische Darstellung, bei der biblische Helden als mittelalterliche Ritter in zeitgenössischen Rüstungen und Architekturen erscheinen, was das Werk zu einer bedeutenden Quelle für die Erforschung der Kriegführung und des Alltags im 13. Jahrhundert macht. Im Laufe ihrer abenteuerlichen Geschichte gelangte die Bibel unter anderem nach Polen und später als diplomatisches Geschenk in den Besitz des persischen Schahs Abbas des Großen – wobei über die Jahrhunderte lateinische, persische und judaeo-persische Randnotizen hinzugefügt wurden. Diese multilingualen Inschriften dokumentieren den kulturellen Austausch zwischen dem christlichen Abendland und dem Orient, bevor der Großteil des Manuskripts schließlich 1916 in den Besitz der Morgan Library in New York überging. 

Im Kontext der Ausstellung zeigt dieses Werk die Vielfältigkeit der mittelalterlichen Handschriften, die sowohl als Text- aber auch wie in diesem Beispiel als Bildhandschriften konzipiert wurden. Die Kreuzritterbibel ist durch ihre wechselreiche Besitzgeschichte und Vielsprachigkeit ein Zeugnis interkulturellen Austauschs und zeigt die geographische Verbreitung mittelalterlich-europäischer Handschriften.

Digitalisat