Ascensius-Druck
Objektbeschreibung
Originaltitel: Annotationes Petri Mosellani Protogensis in clarissimas Auli Gellii Noctes Atticas
(„Anmerkungen des Petrus Mosellanus aus Bruttig zu den hochberühmten Attischen
Nächten des Aulus Gellius“)
Autor: Petrus Mosellanus (Peter Schade, 1493–1524)
Sprache: Latein
Entstehung: Druckwerkstatt des Jodocus Badius („Ascensius“), 1534 in Paris
Ausgestellt: Druck mit zeitgenössischem (restauriertem) Einband
Dieses Druckwerk vereint zwei bedeutende Namen der Gelehrtenkultur des frühen 16. Jahrhunderts: Petrus Mosellanus (bürgerlich Peter Schade, geboren 1493 in Bruttig an der Mosel) war ein deutscher Humanist, Professor für Griechisch sowie Rektor der Universität Leipzig. Seinen Annotationes (Anmerkungen) liegt mit den Noctes Atticae des römischen Autoren Aulus Gellius (2. Jh. n. Chr.) ein enzyklopädisches Kompendium zu Grammatik, Philosophie, Geschichte und Literatur zugrunde, das im Humanismus als Musterschatz des klassischen (antiken) Lateins hochgeschätzt wurde. Mosellanus, der 1519 die Eröffnungsrede der berühmten Leipziger Disputation zwischen Luther und Eck hielt, kommentierte den Text mit philologischer Präzision und machte ihn so einem breiteren Gelehrtenpublikum zugänglich. Gedruckt wurde das Werk bei Jodocus Badius „Ascensius“ in Paris, was die repräsentative Holzschnitt-Titelbordüre mit der berühmten Darstellung seiner eigenen Druckerwerkstatt eindrücklich bezeugt.
Der Holzschnitt zeigt im Zentrum die Druckwerkstatt des Ascensius selbst und stellt damit eine der ikonischsten Druckermarken der frühen Buchdruckgeschichte dar. Zu sehen sind Setzer und Drucker bei der Arbeit an der Presse, umgeben von einer aufwendigen Renaissancearchitektur mit Putten, Medaillons und mythologischen Figuren. Diese sogenannte Marca tipografica war nicht nur Qualitätsmerkmal, sondern auch Selbstinszenierung des Druckers als humanistischer Gelehrter und Verleger – ein visuelles Bekenntnis zur neuen Buchkultur des 16. Jahrhunderts.

