Doppelblatt aus der Pergament-Ausgabe des Theuerdank
Objektbeschreibung
Originaltitel: Theuerdank („Die Geschichte und Abenteuer des löblichen,
streitbaren und hochberühmten Helden und Ritters
Theuerdank")
Original: Druckwerk (Beschreibstoff: Papier, Typendruck)
Sprache: Frühneuhochdeutsch
Entstehung: 1517, Augsburg
(Erstausgabe, gedruckt bei Hans Schönsperger d. Ä.)
Ausgestellt: Original (Doppelblatt) und Faksimile
Der Theuerdank ist ein allegorisches Versepos, das im Auftrag Kaiser Maximilians I. in Auftrag gegeben wurde und 1517, kurz nach seinem Tod, in Augsburg bei Hans Schönsperger d. Ä. gedruckt wurde. Als Hauptverfasser gilt Melchior Pfinzing, der das Werk nach Vorlagen und Vorgaben des Kaisers selbst ausarbeitete. In verschlüsselter, ritterlich-allegorischer Form schildert es die Brautfahrt des Ritters Theuerdank, der hier Maximilian I. repräsentiert, zu seiner künftigen Gemahlin, der Königin Ehrenreich, hinter der sich Maria von Burgund verbirgt. Der Protagonist muss dabei zahlreiche lebensgefährliche Abenteuer bestehen, die von drei Widersachern (Fürwittig, Unfalo und Neidelhart ) auf ihn gehetzt werden und die realen Gefahren und Anfeindungen im Leben des Kaisers widerspiegeln.
Die hier gezeigte Doppelseite veranschaulicht den charakteristischen Gestaltungswillen des Werkes: Der Text ist in der eigens für den Theuerdank geschnittenen, kalligraphisch anmutenden Textura gesetzt, die bewusst eine handschriftliche Prachthandschrift imitiert und den höfischen Repräsentationsanspruch des Druckes unterstreicht. Der Theuerdank steht damit für ein im frühen 16. Jahrhundert einzigartiges Zusammenspiel von literarischem Herrscherlob, drucktechnischer Innovation und programmatischer Selbstinszenierung eines Kaisers.
Neben den insgesamt 300 auf Papier gedruckten Exemplaren wurden 40 auf Pergament gedruckt. Diese waren als Geschenke an Personen vorgesehen, die in besonderer Beziehung zu Maximilian standen. Das ausgestellte (erstaunlich gut erhaltene) Doppelblatt stammt aus einem solchen, leider nicht mehr präzise zuzuordnenden Pergament-Exemplar.
Der Theuerdank wurde nach seinem Erscheinen nicht nur als Druckwerk rezipiert, sondern auch handschriftlich kopiert. Dies ist eine für die Zeit des frühen Buchdrucks ungewöhnliche Umkehrung des üblichen Überlieferungsweges. Die Bibliothek der Universität Rostock verwahrt eine solche Abschrift, die wahrscheinlich im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts nach der Vorlage der Nürnberger Druckausgabe von 1517 entstand. Der unbekannte Schreiber ahmte dabei die gedruckte Frakturtype nach. Auch die Illustrationen wurden nicht frei interpretiert, sondern exakt nach den Holzschnitten kopiert.
Die heute ausgestellte Seite entstammt eben einer solchen handschriftlichen Version des Theuerdank. Was Schönsperger mit Lettern und Holzstock in Serie brachte, übertrug ein namentlich unbekannter Schreiber mit Feder und Pinsel zurück in das Medium der Handschrift und schuf dabei ein Zeugnis, das den Übergang zwischen zwei Epochen der Buchkultur auf einzigartige Weise verkörpert.
Digitalisat einer Rostocker Handschrift
Digitalisat des Originals

