Objekt des Monats August: Der Strandkorb

Der Strandkorb

Das erste Ostseebad, Heiligendamm, wurde 1793 gegründet, weil das Baden im Meer als besonders gesundheitsfördernd galt. Die Heilung durch Meerwasser, die Thalassotherapie, bedeutete, dass hauptsächlich zu medizinischen Zwecken, nicht zum Vergnügen, gebadet wurde. Nur etwa 100 der zumeist adligen 500 Kurgäste im Jahr 1796 gingen tatsächlich ins Wasser, die Mehrheit genoss die heilende Seeluft vom Strand aus.

Freibaden war im 18. Jahrhundert eher unüblich, stattdessen wurde das Bad in sogenannten Badeschaluppen genommen. Es handelte sich dabei um in Gitterwerk geflochtene, an Badewannen erinnernde Körbe, die von einem Boot aus ins Wasser gelassen wurden und Platz für je eine Person boten. Das Umkleiden geschah in einem Badezimmer hinter Vorhängen. Um allen Badegästen einen kurzen Ausflug ins Meer zu gewährleisten, mussten eng getaktete Badezeiten eingehalten werden.

Etwas mehr Freiheit bot ab der Mitte des 19. Jahrhunderts der Badekarren. Die fensterlose Kutsche aus Korb war mit einer Bank sowie Haken zum Aufhängen der Garderobe ausgestattet. Nachdem sich die Besucher umgezogen hatten, wurde der Badekarren von Pferden ins flache Meer gezogen.

Trotz des umständlichen Strandbesuchs stiegen die Besucherzahlen der Seebäder stetig. Dass Vergnügungsreisen ans Meer schon im 19. Jahrhundert zunahmen, beweist auch die Legende, die sich um die Erfindung des Strandkorbs rankt: Obwohl ihr Arzt aufgrund ihres Rheumas von Aufenthalten an der windigen Küste abgeraten hatte, wollte eine ältere Dame nicht auf Besuche des Warnemünder Strands verzichten. Also bat sie den seit 1870 in Rostock ansässigen Korbmacher Wilhelm Bartelmann, ein Sitzmöbel zu bauen, das sie vor starkem Wind schützen könne. So entstand 1882 der erste Strandkorb, ein mit Markisen überzogener Einsitzer, dem bald Körbe für zwei Personen sowie die erste Standkorbvermietung in Warnemünde folgten.

Geflochtene Korbsessel, die dem Schutz gegen Zugluft auch in geschlossenen Räumen dienten, zählten bereits in der Mitte des 17. Jahrhunderts zu gängigen Einrichtungsgegenständen niederländischer Haushalte. In englischen Herrenhäusern schützten sie die Pförtner vor Luftzügen in kalten Hauseingängen. Tatsächlich ist die Nutzung der überdachten Korbstühle an Stränden sogar schon vor der Erfindung durch Bartelmann belegt: Im 39. Heft des Jahres 1881 der Zeitschrift „Gartenlaube“ zeigt eine Zeichnung die geflochtenen Weidenmöbel am Strand von Schreveningen im Jahr 1878. Auch an der deutschen Nordseeküste, in Norderney, ruhten Strandbesucher laut einem Artikel desselben Jahrgangs „in den wunderlichen geflochtenen Strandkörben vor Wind und Sonne gedeckt“. Die früheste Erwähnung stammt vermutlich aus einem 1871 in Kiel erschienenen Handbuch für Korbflechter: Der dort vorgestellte „Strandstuhl mit Überdachung aus Weiden“ sollte ebenso wie Bartelmann’s späteres Modell mit Leinwand überzogen werden.

In Warnemünde waren die Körbe sehr populär: Um 1890 zierten 100 Strandmöbel das Ufer, um 1900 etwa 550, und 1935 bereits über 3.000. Gängige Postkartenmotive demonstrieren ihre Allgegenwärtigkeit am Strand.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts traten gesundheitliche Gründe für Reisen ans Meer immer weiter in den Hintergrund. Der Strandkorb bot Schutz vor Sonne und Wind für Urlauber, die sich eine Pause vom Freibaden nahmen.

(Text: Vivien Popken, Historisches Institut der Universität Greifswald/ Forschungsstelle für die Geschichte der Hanse und des Ostseeraums (FGHO))