Der Conrad-Ekhof-Ring: Ein vergessenes Juwel der Rostocker Theatergeschichte

Abbildung: Der Conrad-Ekhof-Ring des Rostocker Volkstheaters (Foto: Wolfgang Woelk)

1969 initiierte das Rostocker Volkstheater den Conrad-Ekhof-Ring. Mit diesem Preis wurden bis in die 1980er Jahre hinein sozialistische Persönlichkeiten sowie verdienstvolle Rostocker Ensemblemitglieder für außergewöhnliche künstlerische Leistungen geehrt. Mehr als 50 Jahre nach der ersten Verleihung ist die Auszeichnung in Vergessenheit geraten. Grund genug für eine Aufarbeitung!

Der Namensgeber – Conrad Ekhof (1720-1778) – war 1750-1756 als Schauspieler am Schweriner Hof unter Herzog Christian Ludwig II. engagiert, gastierte regelmäßig in Rostock und prägte als Darsteller und Lehrer die deutsche Schauspielkunst maßgeblich. 1753 gründete der Künstler in Schwerin die erste deutsche Schauspiel-Akademie. Es folgte eine Zusammenarbeit mit Gotthold Ephraim Lessing sowie die Gründung des ersten deutschen Ensemble-Theaters in Gotha. Ekhof gilt bis heute als „Vater der deutschen Schauspielkunst“. Kein Zufall also, dass sich das Rostocker Volkstheater, welches zu den führenden Theatern der DDR gehörte, mit dieser Ehrung auf ihn bezog. Denn als Ur- und Erstaufführungsbühne westlicher Autoren war das Volkstheater unter Intendant Hanns Anselm Perten weithin bekannt. Diese Prominenz sollte mit dem Ekhof-Ring weiter gesteigert werden.

Dem Erlass des Volkstheaters zur Stiftung des Conrad-Ekhof-Rings ist 1969 zu entnehmen, dass eine jährliche Verleihung angestrebt wird. Die Würdigung beinhaltete erstens eine Geldprämie in Höhe von 500 Mark, zweitens den eigens angefertigten Ring (siehe Abbildung) und drittens eine amtliche Urkunde. Satzungsgemäß durften nur Künstler vorgeschlagen werden, die eine mindestens fünfjährige Zugehörigkeit zum Volkstheater erfüllten oder „enge freundschaftliche Kontakte“ nach Rostock verband. Das Theater verpflichtete sich zur Übernahme sämtlicher Kosten und richtete die öffentlich zelebrierten Preisverleihungen aus.

Folgende 15 Preisträger konnten für den Zeitraum 1969-1983 ermittelt werden:

  • Preisträger aus dem Ensemble des Volkstheaters: Ralph Borgwardt, Hermann Wagemann, Gerd Micheel, Kurt Wetzel, Else Wolz, Heinz Buchholz und Dr. Hans-Joachim Theil und Hanns-Anselm Perten.

  • Preisträger aus der DDR-Kulturszene: Karin Seybert (Schauspielerin), Georg Hülsse (Grafiker) und Ilse Weintraut Rodenberg (Intendantin).

  • Preisträger aus der UdSSR: Aleksander Rodziewicz (Regisseur), Juri Petrowitsch Ljubimow (Regisseur), Rostislav Janaris Pljatt (Schauspieler) sowie das Ensemble des Staatlichen Schauspielhauses Riga.

Ungeklärt bleibt, wo sich der aus geschwärztem Silber angefertigte Ring heute befindet. Gleiches gilt für den Goldschmied, der ebenfalls unbekannt ist. Inspiriert vom Rostocker Conrad-Ekhof-Ring verleihen die Theaterfreunde Schwerin e. V. seit 1998 jährlich einen mit 2.500 Euro dotierten Ekhof-Preis.

(Text: Seraphin Feuchte, Historisches Institut der Universität Rostock)